Montag, 6. August 2012

Vietnam - Mit dem Roller durch's Mekong Delta!

Die beste Art, das echte Vietnam zu erleben, ist auf zwei Rädern. So sagen es viele und so kann ich es nur bestätigen!
Geplant war eine Tour mit auf zwei Rädern durch's Mekong Delta. Matt und ich beschlossen, erst mal von Ho Chi Minh City (HCMC) aus mit dem Bus nach Can Tho zu fahren, damit wir uns nicht durch den Verkehr in HCMC trauen müssen. In Can Tho angekommen, haben wir uns erstmal ein Hotel gesucht. Nach dem einchecken wollten wir uns etwas in der Stadt umsehen gehen und haben direkt vor dem Hotel eine Frau getroffen, die auf Touristen gewartet hat um ihre Tour anzubieten. Mit dem Boot durch die Kanäle von Can Tho. Eine Tagestour (6 Std.) kostete 20 USD pro Kopf. Man beginnt morgens bei Sonnenaufgang und fährt bis Mittags durch die Kanäle des Mekong Deltas. Wir hatten noch keine Ahnung was es sonst so gibt, so habe ich mir die Nummer geben lassen und wir sind durch die Stadt gezogen. Haben erst mal etwas gegessen und sind dann noch ein wenig rumgelaufen. Währenddessen wurde uns die gleiche Tour angeboten. Inhaltlich das selbe wie die Tour der Lady, kostet aber 28$. So viel uns die Entscheidung nicht all zu schwer die Tour der Lady zu buchen. Sie hat uns noch gleich angeboten Roller zu leihen und nach einem kurzen Gespräch hatten wir alles für die nächsten Tage organisiert und das am ersten Abend - wenn es nur immer so gut laufen würde! :-)
Am nächsten Morgen sind wir um fünf Uhr morgens gestartet. Die Schwester der Lady vom Vorabend hat uns am Hotel abgeholt und wir sind zum Hafen gelaufen. Dort auf's Boot und ab in die Kanäle.
Der Sonnenaufgang war ziemlich cool und es war eine komplett andere Nummer, auf einem Boot zu zweit über den Mekong zu schippern, als mit einer 20 Mann Tour, wie ich sie von HCMC aus gebucht habe.

Sonnenaufgang über'm Mekong.

Aussicht vom Bötchen. :-)
Gefrühstückt wurde auf dem Boot. Es gab ein paar Boote die Getränke und Essen auf dem Fluss verkauften. Die erste Station war ein kleiner schwimmender Markt. Hier wurde großteils Obst und Gemüse von Boot zu Boot gehandelt. Was ein Boot verkauft, erkannte man an dem Mast, an dem die Ware aufgehängt ist. Haben uns erst mal eine frische Ananas gekauft. Unsere nette Fahrerin hat sie uns geschnitten, so dass wir sie direkt auf dem Boot essen konnten.
Ein "Kiosk" auf dem Mekong.

Frühstück auf'm Boot. :-)

Irgendwo müssen ja auch die Schiffsmotoren versorgt werden - aber sah schon lustig aus. 
Während wir den Fluss runter getuckert sind, hat sie uns immer von hinten Sachen gereicht, die aus Pflangen gebastelt waren. Erst wunderten wir uns, wieso sie den Kram mitgenommen hat, haben dann aber gesehen, dass sie es gebastelt hat während wir gefahren sind. War ziemlich lustig und die Basteileien teilweiese sehr aufwendig.
Ein Bambushüpfer. :-)

Armband und Ring. 

Später sind wir noch in eine Reisnudelfabrik und auf einen größeren schwimmenden Markt gefahren.
Das beste an der ganzen Fahrt war jedoch die Fahrt selbst - der Weg ist das Ziel, wie man so schön sagt! Die Landschaft im Mekong Delta ist einfach wunderschön. Ziemlich abwechslungsreich und größtenteils noch recht naturbelassen. Man bekommt einen tieferen Einblick in das Leben der Menschen hier, als bei jeder normalen Tour. Es war eben keine Route die jeden Tag von 20 Booten angefahren wurde - sehr zu empfehlen!
Hier wird also verschiedenes Gemüse angeboten. :-)

Noch mehr Gemüse. 

Das Boot an dem wir unsere Ananas gekauft haben.

Eine Blume - von unserer Fahrerin gebastelt.

Eine Monkey Bridge.

Blick über einen der Kanäle.
Am späten Mittag sind wir zurück in Can Tho gewesen. Wurden von der Lady abgeholt und haben unsere großen Rucksäcke vom Hotel eingesammelt, wo wir sie als erstes zwischengelagert hatten. Die großen Rucksäcke haben wir zur Lady gebracht und sind mit den Rollern gestartet. Matt ist noch nie wirklich Roller gefahren, so sind wir erst mal um die Ecke (musste die Frau ja nicht unbedingt mitbekommen) und ich habe Matt erklärt, wie die Roller funktionieren. Danach sind wir langsam durch Can Tho gefahren und haben eine Tankstelle gesucht. Die erste Ampel ist auf Rot gesprungen und Matt kam an mir vorbei gesaust, hat mich fast getroffen und kam dann 2 Meter nach dem Haltestreifen, mitten auf der Kreuzung zum Stehen. Na das kann ja lustig werden! :-)
Wir sind tanken gefahren und haben uns auf den Weg gemacht. Nach ein paar Stunden fahrt war Matt warm und das Fahren war kein Problem mehr. Das erste Ziel war Tra Vinh, eine Stadt in der ich 2008 bereits eine Weile verbracht habe, als ich in Vietnam Urlaub machte. Auf dem Weg dorthin haben wir die ersten Eindrücke gesammelt und mussten öfter anhalten um Fotos zu machen. Am frühen Abend sind wir in Tra Vinh angekommen und haben in einem Hotel eingecheckt, in dem ein Doppelzimmer nur 90.000 VND pro Nacht gekostet hat (also ca. 3,60€ für's Doppelzimmer, macht 1,80€ pro Kopf :-)). Wirklich günstig! Abends wollten wir dann noch etwas essen gehen, was sich als schwieriger herausgestellt hat als angenommen. Als wir endlich ein Restaurant gefunden hatten, konnte dort kein Mensch englisch. Natürlich hatte ich mein Englisch-Vietnamesisch Buch, das ich mir in HCMC gekauft hatte vergessen. Auch das Erklären mit Händen und Füßen saß noch nicht genug, um etwas zu bekommen und so habe ich die Roller-Lady angerufen, die uns dann etwas bestellt hat.
Leider schwer zu erkennen - Shrimpsfarmen "en masse".

Markt in Tra Vinh.

Ein Vietnamesisches Frühstückt. :-)
Am nächsten Tag ging es ein wenig durch die Stadt. Wir haben uns einen Tempel angeschaut und sind über den Markt gedüst. Haben gefrühstückt und dann ging es auch schon weiter über Bac Lieu in Richtung Ca Mau. Unterwegs haben wir uns noch einen Mundschutz gekauft, der nicht nur vor Staub und Abgasen schützt, sondern hauptsächlich vor der Sonne. Die hat gebrannt wie Feuer und so wurde schnell klar, wieso alle Vietnamesen eingemummt durch die Gegend fahren und nicht wie die westlichen Touris, oberkörperfrei und in Shorts. Das kann man mal ein paar Kilometer machen, aber nicht, wenn man den ganzen Tag durch die brennende Sonne fährt. Also haben wir uns angepasst und sind auch eingemummt, wie die Vietnamesen, durch's Mekong Delta gedüst. Um von Tra Vinh nach Ca Mau zu kommen haben wir zwei mal eine Fähre genommen um Mekongausläufer zu überqueren. Sahen beide nicht wirklich vertrauenserweckend aus, aber haben es doch trocken an's andere Ende geschafft. :-)
Am späten Mittag hat es sich noch mal heftig zugezogen. Ist schon spannend, wenn man die Wolken am Himmel beobachten kann und noch nicht weiß, wann es runter kommt. So wie der Himmel aussah, wusste man nur - es wir runter kommen und das nicht zu wenig! So haben wir schon frühzeitig die Regencapes angezogen. Pünktlich zu Regenbeginn sind wir in eine kleine Stadt gekommen, in der wir dann Mittag gegessen haben während es geregnet hat. Die Leute waren ziemlich nett und sehr interessiert woher wir kommen und was wir machen. Wir haben ihnen dann erklärt, dass aus Deutschland und Australien sind und die Roller in Can Tho ausgeliehen haben. Das Lonely Planet Phrasebook ist für solche Expeditionen wirklich zu empfehlen, da man Wörter nachschlagen und darauf zeigen kann, sofern es nicht anders geht. Dann haben wir ihnen unsere Route gezeigt und sie haben alle interessiert genickt und die Namen wiederholt. :-)
Während dem Essen hat es in Strömen geregnet und kurz nachdem wir fertig waren, ist der Himmel aufgebrochen und die Sonne kam heraus. Es kann eben auch einfach mal funktionieren! :-)
Ja, ich glaube es wird regnen ....

So spart man sich also die Sonnencreme. :-)
In Ca Mau sind wir pünktlich zum Sonnenuntergang angekommen. Ein Hotel haben wir schnell gefunden und sind gleich auf die Suche nach etwas zu essen gegangen. Wir kamen nach einer Weile in ein kleines Restaurant und bevor wir uns hinsetzen konnten, kam uns der Kellner entgegen gelaufen und hat zwei Finger hochgehalten "two, two ...". Wir haben uns hingesetzt und bekamen nach ein paar Minuten wunderbares Essen serviert. Die Glückssträhne nahm kein Ende! :-)
Es gab Frühlingsrollen zum "selber drehen". Die Innereien bestanden aus verschiedenen Salatsorten, Ananas, Erdnüssen und Gurke. Dazu gab es einen leckeren Erdnuss-Dipp. Gedreht wurde mit Reispapier. Wirklich super lecker!
Frische Frühlingsrollen. :-)

Seit der Einführung der Helmpflicht in Vietnam, gibt es die lustigsten Modelle.
Am nächsten Morgen haben sich Matt und ich voneinander verabschiedet. Er musste nach Ho Chi Minh zurück um einen Freund zu empfangen mit dem er weiter reisen wollte. Da ich auf jeden Fall nach Phu Quoc wollte und Ca Mau ziemlich nah an Rach Gia ist, dem nächsten Ort, von dem aus man nach Phu Quoc übersetzen konnte, habe ich mich nicht von meinem Ziel abbringen lassen. Dass das Überleben im Mekong Delta und das Orientieren mit dem Roller kein Problem war, wusste ich ja jetzt. Matt und ich haben noch gemeinsam gefrühstückt und danach sind wir getrennte Wege gegangen. Aber doch ein mulmiges Gefühl, so alleine auf dem Roller, mitten im Nirgendwo. Kurz Luft anhalten.... Du hast es bis hierher geschafft, wieso sollte es jetzt schief gehen? Also los geht's!

Ein neues Kapitel beginnt ...

Donnerstag, 26. Juli 2012

Vietnam - Ho Chi Minh City


Die erste Station in Vietnam war Ho Chi Minh City (HCMC), das ehemalige Saigon. Zum Glück habe ich kurz vor Abfahrt noch einen Chat mit Michael (mit dem gemeinsam durch Laos getourt bin) gehabt, denn er konnte mir ein Hotel auf der Bui Vien Street empfehlen. Das ist quasi Ho Chi Minhs Kao San Road. Wir kamen gegen Abend in HCMC an und wussten erst mal gar nicht wo wir sind. Mein Lonely Planet war in den Tiefen meines Backpacks und ich war zu müde von der langen Busfahrt um ihn rauszuholen und auf der Karte nachzuschauen. An der Bushaltestelle haben wir noch zwei Argentinier getroffen, die genau so viel Orientierung hatten wir Kathrin und ich. Sie wussten nicht genau wohin und sind dann mit uns in ein Taxi gestiegen, dass uns für 15$ zur Bui Vien Street gefahren hat. Nach einer Weile haben wir dann ein Hotel gefunden. Zwar nicht das, was Michael mir empfohlen hatte, aber die Zimmerpreise waren in Ordnung und so haben wir es erstmal genommen. Nach dem Einchecken sind wir dann noch mit den beiden Argentiniern etwas essen gegangen und haben in einer Bar das erste Vietnamesische Bier getrunken.

Die beiden Argentinier Enrique und Diego.
Am nächsten Tag sind Kathrin und ich losgezogen um uns das War Renmants Museum und einen Teil Stadt anzuschauen. Wir sind aus der Bui Vien Street in die nächste Seitenstrasse abgebogen und was sehen wir? Die Bushaltestelle an der uns der nette Taxifahrer eingesammelt hat, um uns für 15$ eine Runde durch die Stadt zu fahren und an der nächsten Ecke wieder raus zu lassen. Willkommen in Vietnam! Nach ein wenig Spazieren durch die Stadt haben wir uns dafür entschlossen ein Cyclo zu nehmen um schneller zum Museum zu kommen. Das Cyclofahren war ganz lustig, allerdings haben uns an manchen Stellen Fußgänger überholt, also nicht unbedingt die zeitsparendste Fortbewegungsmethode. Das Museum war ziemlich interessant. Es hat viel gezeigt sowie Daten und Fakten zum Krieg geliefert.Im Anschluss sind wir noch etwas rumgelaufen und haben für den nächsten Tag eine Mekon-Delta Tour gebucht. 

Flammenwerfer aus dem Vietnamkrieg. Extra so gebaut, dass er ohne Probleme Reisfelder und kleine Flüsse überqueren kann. 200 Galonen Tank und eine effektive Reichweite von 137m. Ziemlich kranke Vorstellung.

Ein A37-B Flieger von innen.

Hier mal ein Eindruck, wie groß die Bomben waren, die während des Kriegs geschmissen wurden. 
Am folgenden Morgen ging es mir gar nicht gut. Auf dem Weg zum Reisebüro an dem wir die Tour gestartet haben war mir total übel, aber ich bin trotzdem mitgefahren. Wir waren bereits darauf vorbereitet, dass die Tour super touristisch wird. So war es nicht erschreckend, dass man in ein Restaurant gesetzt wird und auf einmal eine Gruppe Vietnamesen anfängt "Volksmusik"  zu spielen. Alles in allem war die Tour aber doch lohnenswert, solange man nicht genug Zeit hat, das Mekong-Delta auf eigene Faust zu erkunden. Zu Beginn der Tour wird man abgeholt und mit einem Bus nach Bac Lieu gefahren. Dort wird dann mit einem Boot eine Tour über den Mekong gemacht und unterwegs wird an verschiedenen Inseln gehalten. Auf einer wurden uns sehr leckere Früchte serviert und wir haben eine Bonbon-Fabrik besucht. Auf einer anderen Insel haben wir dann Mittag gegessen und sind anschließend mit Fahrrädern etwas über die Insel gefahren. Abends hat Kathrin nich eine Tour zu den Chu Chi Tunneln gebucht, den alten Tunneln vom Vietnamkrieg. Da ich diese 2008 bereits gesehen habe, beschloss ich mal einen Tag daheim zu bleiben und ein paar Sachen zu erledigen sowie mich etwas auszuruhen, da es mir nicht besonders gut ging. 



Fahrt durch die Tunnel. Voller Touristen, aber trotzdem schön anzusehen. :-)


Meiner einer. :-)

Das nenne ich mal eine Bananenstaude!


Am folgenden Tag sind wir etwas früher aufgestanden um uns die Stadt anzuschauen und noch ein paar Sehenswürdigkeiten zu finden, die wir am ersten Tag nicht mehr geschafft haben. Unterwegs haben wir Matt kennengelernt. Einen Australiert, der alleine unterwegs war und sich uns angeschlossen hat um noch ein bisschen mehr zu erkunden. Wir sind gemeinsam mit Motorbike-Fahrern nach Chinatown gefahren. Erwartet haben wir ein chinesisches Viertel, gefunden haben wir einen Großmarkt (Bin Thay Market), viele Geschäfte und ansonsten nicht wirklich viel chinesisches, bis auf ein Geschäft, das Drachenköpfe hergestellt hat, wie sie auf chinesischen Umzügen getragen werden. Im Großmarkt wollte Kathrin sich Flip-Flops kaufen. Sie hat auch irgendwann welche gefunden. Als wir dann über den Preis verhandeln wollten hat sich herausgestellt, dass diese nur im Zehnerpack abgegeben werden. So viele brauchte sie dann doch nicht und so haben wir den riesigen Markt mit leeren Händen verlassen.



Der Bin Thay Markt in Chinatown - Ho Chi Minh City.
Unschwer zu erkennen - ein Fruchtstand. :-)

Pinke Drachenfrucht.




Abends sind wir dann noch in einer Vietnamesischen Disco feiern gegangen. War ziemlich lustig. Wer Vietnam besucht, sollte es unbedingt mal probieren. Man kommt in den Laden und wird förmlich von Personal umzingelt. Es ist nicht möglich, eine Zigarette heraus zu holen und sie sich selsbt anzuzünden. Macht man nur eine Geste, die darauf schließen lässt, man möchte eine Zigarette aus der Tasche holen, springt einen eine Bedienung an um einen Feuer zu geben. Auch kommen die Kellner mit Menüs und Taschenlampen bewaffnet um die Getränkebestellungen entgegen zu nehmen. Hier muss man sich nicht an der Bar drängeln, die Getränke werden an den Tisch gebracht! :-) 
Entsprechend sind leider auch die Preise. Ein Bier kostet ca. 100.000 Vietnamesische Dong, was circa 4€ entspricht.

Nachdem wir genug Zeit in Ho Chi Minh verbracht haben, wurde die Weiterreise angetreten. Kathrin ist nach Mui Ne gefahren um sich die Sanddünen und die warmen Quellen anzusehen. Matt und ich sind nach Can Tho in's Mekong Delta gefahren um eine Tour mit dem Roller durch's Mekong Delta zu machen...

Matt an unserem favorite Fruitshake Stand in einer kleinen Seitengasse der Bui Vien Street -  fruitshakes für unglaubliche 17.000 Dong pro Shake (70 Eurocent), super groß und super lecker! :-)

Samstag, 19. Mai 2012

Kambodscha - Phnom Penh, Besuch bei Andrea und Shianoukville

Phnom Penh!

Hier der zweite Teil zu meinem Aufenthalt in Kambodscha. Wie bereits erwähnt, ging es von Siem Reap weiter nach Phnom Penh, der Hauptstadt von Kambodscha. 

Wir sind mittags angekommen und abends noch mal ein bisschen durch die Stadt gelaufen. Phnom Penh ist ziemlich groß, was man an der Vielfalt der Geschäfte gemerkt hat. Auch waren hier die alltäglichen Dinge wesentlich billiger, als in einer Touristenstadt wie Siem Reap.

S-21 und die Killing-Fields

Am nächsten Tag haben wir uns dann das S-21 und die Killing-Fields angesehen. Einer der nicht so ermunternden Teile dieses Berichtes. Das S-21 war das "Sicherheitszentrum" im Krieg der roten Khmer. Es hatte eine ähnliche Funktion wie die Konzentrationslager im zweiten Weltkrieg. Gefangene wurden gefoltert um Informationen aus ihnen zu bekommen. Zu den Gefangenen gehörten einfache Zivilisten, Gebildete Menschen und auch vermeintliche Verräter aus den eigenen Reihen. Viele von ihnen waren unschuldig und wurden so lange gefoltert, bis sie Dinge zugaben, die ihnen in den Mund gelegt wurden, nur um den Qualen zu entkommen. Im Anschluss wurden sie hingerichtet, ob sie ausgesagt hatten oder nicht. Bis auf ein paar wenige Flüchtlinge, die es lebend geschafft haben, wurden alle ausnahmslos umgebracht.


Öffnungszeiten S21:
10:00 Uhr - 15:00 Uhr

Zwei mal täglich wird ein Video vorgespielt, der Geschichten der damaligen betroffenen erzählt. M. E. nach sehenswert. Die erste Vorstellung findet um 11 Uhr statt, an die Zeit der zweiten erinnere ich mich leider nicht mehr.


Gebäude Trakt A des S-21.

Die Sicherheitsregeln für Gefangene. Sie geben einen Aufschluss darüber, wie grausam es hier zugegangen ist.

Bevor das Gymnasium zum S-21 umfunktioniert wurde, waren dies Turngeräte. Sie wurden zu Foltergeräten umgewandelt, mit denen Gefangene in Bottiche Getunkt wurden, die mit Fäkalien gefüllt waren.

Eine Zelle im S-21. Wer in so einem Loch gefangen war hatte noch Glück und wurde nicht, wie manch andere Gefangene in großen Räumen gemeinschaftlich an Stangen am Boden festgekettet.
Dies geschah per Exekution auf den Killing-Fields. Hier wurden die Gefangenen mit verbundenen Augen in Lastwagen angefahren. Es lief laute Musik, so dass man die Schreie nicht direkt hören konnte. Dann mussten sie sich vor ein großes Loch knien und wurden i.d.R. erschlagen. Die Munition zum Erschießen wäre zu teuer gewesen.
Ein Bild, dass die Geschehnisse auf den Killingfields beschreibt. Ein Baum diente dazu, Babys an ihm zu erschlagen.

So friedlich es auch wirken mag, jede dieser Absenkungen im Boden war ein Massengrab für hunderte von Menschen, die auf den Killing-Fields exekutiert wurden

Trapeang Sdok - besuch bei Andrea

Das Khmer Neujahr habe ich bei Andrea verbracht, einer ehemaligen Arbeitskollegin, die in Kambodscha ein Volontariat als Englisch- und Deutschlehrerin gemacht hat. Hier habe ich einen weiteren tiefen Einblick in die Kultur Kambodschas erhalten. Zum Khmer Neujahr, kommen alle Familienangehörige, die es sich leisten können, aus den Städten zurück auf's Land um mit ihren Familien zu feiern. Es wird zusammengesessen, gegessen, getrunken, gespielt und getanzt. Wir waren jeden Tag woanders eingeladen und so viel wie in diesen Tagen habe ich schon lange nicht mehr gegessen. Überall wurde Essen auf den Tisch gestellt. Dass man gerade erst andere Leute besucht hat, wo es reichlich Essen gab, interessierte nicht und man will ja auch nicht unhöflich sein und gar nichts essen. Einen Abend haben wir gemeinsam gekocht und ich habe es mir nicht nehmen lassen Bratkartoffeln mit Spiegeleiern zu machen. Ich weiß nicht wie vielen es wirklich geschmeckt hat, aber sie wurden leer. :-)
Gemeinsames Essen mit Schülern und Freunden von Andrea. Auch  Sonja war mit dabei, eine Österreicherin, die einen kambodschanischen Freund hat - der unglaublich gut kochen kann! :-)
Das auf dem Bild ist Palmenwein. Er wird im selben Beutel verkauft, in dem er hier ausgeschenkt wird. Für uns eine lustige Vorstellung, ein Getränk im Beutel zu kaufen. Andere Länder, andere Sitten!
Die Schule in der Andrea unterrichtet hat. Im ersten Stock des rechten Gebäudes sind die Schlafsäle  für die Lehrer.

Das Khmer Neujahr wird drei Tage gefeiert. Am dritten Tag sind wir auf den Phnom Chisor gewandert. Ein Tempel in der Nähe von Tropeang Sdok, auf dem ein alter Tempel steht. Hier werden zum Neujahr buddhistische Rituale abgehalten. Der Weg nach oben ist recht hart, aber ist man erst mal oben, hat man eine wunderschöne Aussicht über das umliegende Land.
Die Aussicht vom Phnom Chisor.




Mönche die unter einem Bodhi-Baum auf ihre Gaben warten.
Ein gegrilltes Huhn. Schmeckt zwar wie bei uns, ist mit einem komischen Bauchgefühl verbunden,  wenn sie so "naturbelassen" serviert werden.
In der Zeit habe ich einige Wörter Kambodschanisch gelernt und wurde zum Lacher, als ich mir ein paar Eier für's Abendessen kaufen ging. Die Dame im kleinen Laden sprach kein Englisch und ich zu wenig Kambodschanisch um ihr zu sagen was ich möchte. Dann habe ich mit den Händen die Form eines Eis gemacht und ein Huhn immitiert. Sie wusste immer noch nicht, was ich von ihr wollte. Dann habe ich glücklicherweise in einem Regal hinter ihr die Eier entdeckt und auf sie gedeutet. In einem späteren Gespräch hat sich dann herausgestellt, dass in Kambodscha i.d.R. Enteneier gegessen werden. Kein Wunder, dass die Frau mich nur verdutzt angeschaut hat, als ich ein Huhn imitiert habe. Enten gackern ja nicht!
Andrea kam heim und hat die Story von den Nachbarn natürlich gleich brühwarm erzählt bekommen. :-)
Die Tage vergingen recht schnell und nach einer Weile hatte ich mich auch an mein Bett gewöhnt, welches lediglich aus einem Holzgestell und einer Bastmatte bestand, welches von einem Fliegennetz vor Mücken geschützt wurde. 
Mein Bett. Gewöhnungsbedürftig, aber eine Erfahrung wert! :-)
Wenn Kambodschaner feiern und tanzen, spielen sie immer ein paar aktuellere Titel und dann etwas Kambodschanische Musik, zu der alle gemeinsam im Kreis tanzen.
Meist steht eine Stange oder etwas ähnliches in der Mitte, um die dann getanzt wird.
Hier die Anlage, welche (soweit ich weiß) am Abend gemietet wird un dann auf einem solchen Gefährt angeliefert und betrieben wird. :-)
Andrea und ihr Freund Dy - hier voll mit Babypuder. Das bringt Glück für's neue Jahr!
Am Tag nach Neujahr bin ich weiter nach Kampot gefahren... 

Kampot

Bleiben wo der Pfeffer wächst ... so sagt man es bei uns. Doch Kampot war schöner, als man es dem Betroffenen in jener Redewendung wünscht. Der Weg nach Kampot war nicht ganz einfach, da ich über mehrere kleine Städte bis nach Kampot fahren musste. Die Fahrt war stellenweise eine echte Tortur. Mein bisheriger Rekord: 20 Leute + 3 Kinder inkl. Gepäck in einem Minivan!
Hier meine Sitzreihe im Minivan. Ich hatte genau eine halbe Pobacke Platz auf der zweistündigen Fahrt.
Auf Grund mehrerer Empfehlungen bin ich zum Blissful Guesthouse gefahren und habe dort in einem Dorm für 2$ die Nacht geschlafen. Das Blissful Guesthouse ist sehr schön gemacht und es wurde Abends nette Unterhaltung, wie z.B. eine Quizznight angeboten. Die Fragen entsprachen einem Trivial Pursuit aus den Siebzigern, aber Spaß gemacht hat es trotzdem. 
Am ersten Tag in Kampot habe ich mir zusammen mit einem Fahrer eine Höhle angesehen, in der ein Tempel gebaut wurde. Ein paar kleine Mädchen haben sich dort als Guide etwas Geld verdient und sind mit den Touristen durch die engen Gänge geklettert.
Ein Bild aus der Höhle. An der Decke hingen ein paar Fledermäuse, eine habe ich sogar im Flug erwischt. :-)
Im Anschluss bin ich nach Kep und von dort mit dem Boot nach Rabbit Island gefahren. Bis zum Abend habe ich am Strand der Insel rumgelegen, bin geschwommen, habe gelesen und etwas geschlafen. Nachdem ich mit dem Boot zurück nach Kep gefahren bin, hat mein Fahrer auf mich gewartet. Ich habe das erste mal grünen Pfeffer gegessen und mir im Anschluss mit ihm die Pfefferplantagen angeschaut.
Rindfleisch mit frischem grünen Pfeffer (unser schwarzer Pfeffer ist geröstet, daher schwarz).
So wächst also Pfeffer! :-)
Auf dem Heimweg sind wir noch an den recht unspektakulären Salzfeldern vorbei gefahren. Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Sihanoukville, welches an der Südwestküste von Kambodscha liegt.

Sihanoukville, Koh Rong und zurück!

In Sihanoukville angekommen habe ich mich mit Kathrin am Otres Beach wieder getroffen. Sie war bereits eine Weile dort und hat das Neujahr auf einer einsamen Insel gefeiert, auf der es weder Strom noch richtige Hütten gab. Wir haben eine Nacht in einem Hotel am Otres Beach geschlafen und sind am nächsten Tag gleich weiter nach Koh Rong gefahren, was mir von vielen Leuten empfohlen wurde.
Ein wunderschöner Sonnenuntergang am Otres Beach in Sihanoukville.
Koh Rong ist eine kleine Insel, ca. 2 Std. mit dem Boot von Sihanoukville entfernt. Strom gibt es hier nur gegen Abend, etwa vier Stunden, wenn die Generatoren für die Beleuchtung angeworfen werden. Auf Koh Rong kann man nicht wirklich viel machen. Es gibt eine Tauchschule, einige Unterkünfte, ein paar Bars und Restaurants und das war es auch schon. Hört sich nicht gerade prickelnd an, aber es ist ungemein entspannend, wenn man nach dem vielen unterwegs sein mal zum nichts tun gezwungen wird. Die letzten Monate habe ich jeden Tag damit verbracht mir irgendetwas in dem Ort anzusehen, in dem ich gerade war oder sonstwie die Zeit sinnvoll zu nutzen. Auch wenn viele vielleicht denken, es ist wie Urlaub, kann es doch recht anstrengend sein, den ganzen Tag von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit zu touren und sich auf die Herausforderungen einzulassen, die dieses Vorhaben mit sich bringt. Nicht so auf Koh Rong - es gab ja nichts zu tun. Was es jedoch gab, waren die schönsten Strände, die ich in meinem bisherigen Leben gesehen habe! Es war nicht viel los auf der Insel und so hatten wir die Strände so ziemlich für uns alleine. Ist man ein Stück gelaufen, kam man zu einem Strandabschnitt der mehrere Kilometer lang war, ins türkisfarbene Wasser mündete. Es war wirklich traumhaft schön.
Leider hatten wir am schönsten Strand nur Bücher und keine Kameras mit, dieser hier war aber auch sehr schön und kommt dem anderen schon sehr nahe.
Ausblick aus unserem Zimmer. Wir haben stolze 10$ Dollar pro Nacht bezahlt, aber die Lage ging kaum besser. :-)
Ohne Worte. :-)
Nach ein paar Tagen auf der Insel sind wir wieder zurück nach Sihanoukville gefahren und haben für 3€ die Nacht in einem Dorm im Monkeys Republic geschlafen. Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Vietnam, worüber ich im nächsten Bericht erzählen werde ...

Viele Grüße aus Da Lat! :-)